Mittwoch, 19. November 2008

4 intensive Tage in und um Pucón

Das vergangene Wochenende war ich für 4 Tage und 3 Nächte allein in Pucón. Allein war ich aber nur wenige Minuten denn am Busterminal traf ich Tobi, ein Deutscher der seit über 6 Monaten in Südamerika unterwegs ist. Zusammen sind wir zum Zeltplatz und ich habe ihm meine Pläne für die Tage erzählt. Im Endeffekt haben wir uns dann alles zusammen unternommen.
Schon von der Stadt aus hat man einen genialen Blick auf den Vulkan Villrica, das macht Lust auf mehr :)


Auch der Campingplatz war sehr ansehnlich:

Am ersten Tag sind wir zu dem Wasserfall "El Claro" gelaufen. Normalerweise macht man das mit einem geführten Reitausflug, aber ich habe es bevorzugt meine eigenen Beine zu benutzen. So hatten wir auch viel mehr Zeit am Wasserfall selber und mussten nicht nach 20 Minuten wieder weiter wie die geführten Touren.


Am zweiten Tag haben wir den Vulkan Villarica bestiegen. Laut Reiseführer geht das nur mit geführter Tour ist aber quatsch, da auch Leute ohne Tour hoch sind. War aber trotzdem besser so, wenn man den Vulkan nicht kennt und nicht das ganze Equipment dabei hat. Da sich alle anderen auch die Klamotten geben lassen haben sind wir in Einheitsgelb marschiert.


Ich war ausser den Guides der einzige der auf seine eigenen Klamotten vertraut hat. Ich musste ja mal meine neuen Anschaffungen ausprobieren. Haben sich auch super bewährt. Wenn man den Horizont anschaut dann erkennt man auch dass es doch etwas steiler war als auf dem Foto zu vermuten.


Oben ging ein gewaltiger und böiger Wind der es erschwerte auf den Beinen zu bleiben. Was angeblich weit mehr als normal. Es war zwar teilweise wolkig aber immer mal wieder konnte man geniale Blicke auf die Stadt, den See oder Nachbarberge erhaschen.


Nach ca. 5 Stunden Aufstieg dann die Siegerpose:


Der Abstieg war wesentlich schneller, da gab es einen speziellen Schutz für den Hintern und dann ging es in diesen "Bobbahnen" wieder ins Tal:


Spät abends ging es dann noch zur Entspannung in die Thermen Los Pozones. Herrliche natürliche Thermen aus Fels, (Kiesel-)Steinen, Holz etc. Soetwas gibt es bei uns gar nicht mehr, oder? Die Thermen die ich von zuhause kenne sind alle gefließt wie jedes beliebige Schwimmbecken nur dass man halt nicht schwimmen kann. Fotos gibt es davon leider nicht :(

Am nächsten Tag ging es auf in den Nationalpark Huerquehue, ein Name den ich selbst nach 100 Versuchen noch nicht korrekt aussprechen kann. Die "Standardtour" geht zu 3 Bergseen (3 Lagos) und wieder zurück zum Eingang. Wir wollten aber unbedingt weitergehen, den Park durchqueren bis man zu den Thermen San Sebastian kommt. Da der Weg im Winter zugeschneit ist hatte ich mich vorab informiert. Die Thermenbetreiber haben mir gesagt dass der Weg passierbar ist, die Parkranger der CONAF nach 2 Anrufen und viel Nachfragen haben aber immer wieder beteuert dass der Weg nicht passierbar sei da dort noch sehr viel Schnee liegt. Da ich schon gelesen hatte dass die manchmal übertreiben haben wir es trotzdem gewagt und sind ohne Erlaubnis los. Ganz ehrlich, es lag Schnee. In einem Waldstück am Pass mussten wir geschätzte 3 Meter über 10cm sulzigen Schnee gehen. *gg* Der Weg war also perfekt begehbar. Diese Auskunft war eine pure Frechheit! Normalweise macht man den Weg in zwei Tagen, was aber nicht notwendig ist. Wir haben es bei sehr gemütlichem Gehtempo und Pausen in 8,5 Stunden an einem Tag vom Parkeingang bis zu den Thermen geschafft. Der Park ist wunderschön und so entstanden Postkartenwürdige Fotos wie diese:




Die Thermen waren noch genialer als die ersten da weit weniger touristisch. Der Campingplatz samt Thermennutzung hat uns ca. 5€ / Person gekostet. Es gab ein großes Becken, eines direkt am Fluss und einige "individuales" also quasi große Badewannen:


Am nächsten Tag mussten wir zurück nach Pucon, da es dort keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt gab es 3 Möglichkeiten:
  1. Mitfahrgelegenheit bei anderen Thermenbesuchern. (Ging nicht da keiner nach Pucon fuhr)
  2. 8,5 Stunden durch den Park zurück zum Eingang oder
  3. angeblich 20km bis zum nächsten Dorf mit Busverbindung
Wir haben uns für 3. entschieden und dachten die 20km in 4 Stunden machen zu können. Leider hat die Dame ein schlechtes Gefühl für Entfernungen. Nach ca. 1 Stunde sahen wir ein Schild dass es noch über 30km bis zu diesem Dorf seien. Insgesamt waren es also mehr als 35 km statt den versprochenen 20km. Noch dazu ging es immer wieder hoch und runter und es gab weit und breit kein Anzeichen von Zivilisation oder Autos. Zum Glück gab es genug Bäche mit Wasser, leider hatten wir beide unsere Tabletten zum Wasserabtöten nicht dabei und mussten so widerwillig neben den Kühen Wasser trinken. Ist aber zum Glück nichts passiert! Die Sonne brannte gewaltig und ich schmierte mich im Stundentakt ein. Wir dachten schon dass wir wohl nicht mehr ankommen und eine weitere Nacht in der Wildnis verbringen werden da hat uns der liebe Gott *gg* aber doch noch erhört und ein Auto vorbeigeschickt dass uns auch noch mitnehmen konnte! Genialerweise hat uns die Fahrerin, eine amerikanische Hostalbesitzerin auch noch bis nach Pucon gebracht! Ihr spanisch war ganz gut, aber erschreckend wie extrem krass der amerikanische Akzent nach 18 Jahren in Chile noch rauszuhören ist. Ich habe nur die Hälfte verstanden von dem was sie gesagt hat... Ay dios! Auf dem Weg haben wir einen kurzen Boxenstop bei dieser genialen Hängebrücke gemacht:


Die war ewig lang und ebenfalls sehr sehr hoch! Nochdazu wacklig ohne Ende und für max. 4 Personen "zugelassen". Zurück in Pucon haben wir dann zum 3. Mal an diesem Wochenende gegrillt und ich bin auf zum Bus nach Santiago. Auf dem Weg gab es noch einen Abschließenden Sonnenuntergang zu bewundern:


Zurück in Santiago habe ich ersteinmal ein riesiges Herpes auf der Lippe bekommen. Das kommt wohl von 4 anstrengenden Tagen, sehr viel Sonne, kalten Nächten in einem schlechten Schlafsack usw.
Obwohl es dieses Wochenende auch Nachts nicht wirklich kalt war (sicher >= +5°) hat es mich trotz zusätzlicher Kleidung gefroren. Das hat mich erzittern lassen bei dem Gedanken an Patagonien im Dezember. Folglich habe ich mir gestern einen neuen Daunen-Schlafsack angeschafft. Geniales Teil! ca. 1kg Gewicht, sehr klein und hat die "Komfortzone" bis -9°. Da Daunen schlecht waschbar sind habe ich mir noch einen 130g Innenschlafsack aus Seide gekauft um den Schlafsack zu schonen. Zusätzlich macht der auch noch ein paar Grad gut. (Angeblich 5°C mehr) War nicht ganz billig aber immerhin 33% günstiger als in Deutschland.

Heute Abend geht es nun per Flugzeug auf in die Wüsten des Nordens nach San Pedro de Atacama. Meine Zeit in Santiago ist nun wirklich so gut wie vorbei. Nächste Woche bin ich meine letzten 3 Tage in Santiago :-/ Schade eigentlich.